Kindersoldaten bei der PYD

Berichte von Human Rights Watch, Amnesty International, der UN Commission of Inquiry on Syria sowie die Recherchen von KurdWatch belegen, dass die Volksverteidigungseinheiten (YPG) sowie die Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) der Partei der Demokratischen Union (PYD) regelmäßig Kinder zwischen zwölf und siebzehn Jahren rekrutieren und im bewaffneten Kampf einsetzen.

Genaue Zahlen, wie viele Kinder Teil der YPG und der YPJ sind, gibt es nicht. Viele Eltern, deren Kinder von der YPG mitgenommen werden, schweigen aus Angst oder hoffen, über »Verhandlungen« die Freilassung ihrer Kinder zu erreichen. Die regelmäßige, öffentlichkeitswirksame Freilassung einiger Jugendlicher durch die YPG hat nicht dazu geführt, dass die Praxis der Rekrutierung von Kindersoldaten grundsätzlich eingestellt worden wäre.

In einigen Fällen konnte KurdWatch genauere Informationen über die minderjährigen Soldaten bei der YPG und der YPJ recherchieren:

 

Child Soldier YPG
Quelle: facebook

Die Rekrutierung von Kindern und Jugendlichen hat System: Junge Menschen lassen sich leichter rekrutieren als Erwachsene, insbesondere wenn ihnen suggeriert wird, dass ihr Kampf »heldenhaft« sei. Gerade junge Frauen und Mädchen aus konservativen, patriarchalen Familien versprechen sich zudem von einem Eintritt in die Frauenverteidigungseinheiten Freiräume, über die sie sonst nicht verfügen. Kinder und Jugendliche sind den ideologischen Schulungen der PYD hilfloser ausgeliefert als Erwachsene, sie haben ihnen intellektuell und mental weniger entgegenzusetzen. Darüber hinaus gibt es einen weiteren wichtigen Grund für die Rekrutierung von Minderjährigen: Ein großer Teil der männlichen kurdischen Bevölkerung im wehrdienstfähigen Alter hat das Land aus Angst vor Zwangsrekrutierungen und anderen politischen Repressionen durch die PYD verlassen [weitere Informationen]. Dies hinterließ einen personellen Engpass innerhalb der Volksverteidigungseinheiten, dem nun mit der Rekrutierung von Kindern und Jugendlichen begegnet werden soll.

Child Soldier YPG 03
Quelle: facebook

Ein Interview von Human Rights Watch vom 12. Februar 2014 mit einem sechzehnjährigen YPG-Mitglied, der im Jahr zuvor der Miliz beigetreten war, gibt Einblick in die Rekrutierungspraxis der YPG. Der Junge berichtet, im örtlichen Jugendzentrum von Kämpfern der YPG angesprochen worden zu sein.

»Sie haben mit uns über die kurdische Situation gesprochen und erklärt, wie wichtig es sei, die [kurdische] Nation zu verteidigen. Es ist unsere Entscheidung beizutreten […] Meine Mutter und mein Vater waren dagegen und sagten nein, aber ich wollte es dennoch tun.« (HRW report 2014)

Er berichtet weiter, dass er sich unter seinem richtigen Namen und seinem korrekten Alter bei der YPG registriert hat. Danach wurde er an der Waffe ausgebildet und ist seitdem an verschiedenen Kontrollpunkten tätig.

»Am Morgen gehe ich in die Schule und danach diene ich in der Armee.«

Ganz anders stellte sich der Fall von Nurman Ibrahim Khalifa dar. Das 2001 geborene Mädchen war dreizehn Jahre alt und Schülerin der neunten Klasse, als sie von der PYD entführt und in ein Militärcamp der PKK in Irakisch-Kurdistan verschleppt wurde. Dort sollte sie zur Guerillakämpferin ausgebildet werden. Nach anderthalb Monaten gelang ihr die Flucht. Khalifa berichtet gegenüber KurdWatch:

»Als ich in die Berge [nach Irakisch-Kurdistan] kam, hatte ein Mädchen bereits sieben Mal versucht zu fliehen, und beim achten Mal wurde sie erneut gefangen genommen. Wir wurden alle zusammengeholt. Den ganzen Abend gab es eine Versammlung. Sie wurde auf eine Bühne gestellt und ihr wurde gesagt, dass eine PKK-Kugel zu gut sei für sie und sie wurde erschossen und in den Fluss geworfen.« [Das ganze Interview lesen]