Kindersoldaten-Portrait: Zahra

Bozan 02
Quelle: Youtube

Bozan Mahmud stammt ursprünglich aus dem Dorf Ali-Sharê in der Nähe von Kobanî, lebt aber seit zweiundvierzig Jahren in ar-Raqqa. Seine fünfzehnjährige Tochter Zahra Mahmud wurde am Nachmittag des 18. Juni 2015 in Erbil von Anhängern der PYD entführt. Dass seine Tochter aus politischen Gründen freiwillig zur den Frauenverteidigungseinheiten gegangen sein könnte, hält Bozan Mahmud für ausgeschlossen.

»Sie ist absolut unpolitisch. Sie kann nicht sagen, aus welchen Teilen [Ländern] die vier Regionen Kurdistans bestehen.«

Zahra hatte am Tag ihrer Entführung an einem Englischkurs der Mustafa Barzanî-Stiftung teilgenommen. Geplant war auch der Besuch eines Folgekurses. Ein Bruder von Bozan Mahmud sah Zahra am Tag ihres Verschwindens in ein Taxi einsteigen. Auf seine Frage, wohin sie unterwegs seien, antwortete ihr Begleiter, dass sie zu einem Training führen. Seit diesem Zeitpunkt besteht kein Kontakt mehr zu Zahra.

Einen Tag nach der Entführung gab Zarahs Vater dem irakisch-kurdischen Sender Rudaw ein Interview:

»Seit gestern ist sie verschwunden. Sie sollte gestern eigentlich ihre Zeugnisse in Empfang nehmen. Bis siebzehn Uhr war sie nicht zurück und wir haben uns Sorgen gemacht. Dann wurde ein Verwandter von uns angerufen. Der Anrufer nannte sich Ibrahim Schaikh Haydarî und hat gesagt, er sei aus Kobanî und er hat auch gesagt, dass meine Tochter sich ihnen angeschlossen hat und nach Kandîl gehen wird. Meine Tochter ist absolut nicht politisch. Meine ganze Familie ist nicht politisch. Ich bin ein armer Mensch. Mein dreizehnjähriger Sohn verkauft auf der Hauptstraße Wasser, damit wir überleben können. Ich bin krank, hatte wegen meiner Leber drei Operationen. Ich hatte einen Schlaganfall. Mir geht es sehr schlecht.«

Bozan Mahmud versuchte mehrfach, Kontakt zu seiner Tochter herzustellen. Er wandte sich auch an den Mann, der ihn telefonisch über die Rekrutierung seiner Tochter informiert hatte, den PYD-Kader Ibrahim Schaikh Haydarî.

»Ich habe ihn angefleht und gesagt, dass meine Tochter noch minderjährig sei und dass sie mit ihrer Rekrutierung gegen Gesetze verstoßen und dass es in allen Ländern verboten ist, Minderjährige zu rekrutieren. Denn sie hat noch nicht ihre Volljährigkeit erreicht. Sie hätten erst meine Zustimmung oder die der Mutter einholen müssen. Ich leider sehr darunter.«

Ibrahim Shaikh Haydarî habe nur geantwortet, dass es ihnen [der PYD] egal sei, wie alt die Rekruten seien, die zu ihnen in die Volksverteidigungseinheiten kommen.

»›Ob sie elf oder zwölf Jahre alt sind, es ist nicht gegen unsere Gesetze. Wir schicken sie in die Kämpfe und sie werden auch Märtyrer. Das ist für das Heimatland.‹ Das war die Antwort, die ich erhalten habe. Sonst nichts.«

Daraufhin mobilisierte der verzweifelte Vater Bekannte und Verwandte und schickte sie zu Ibrahim Schaikh Haydarî. Er hoffte, dass diese ihn davon überzeugen würden, Zahra aus dem Dienst der YPG zu entlassen. Ohne Erfolg.

»Ich denke, dass außer terroristischen Organisationen niemand so etwas tut; Elf- und Zwölfjährige mitzunehmen und zum Militärdienst zu bringen.«