Die psychologischen Folgen

Die Rekrutierung von Kindern ist kein neues Phänomen. Es zeigt sich jedoch, dass besonders im Zuge neuer, asymmetrischer Kriege Kindersoldaten vermehrt an der Front eingesetzt werden.

Je belastender die Erfahrungen sind, die ein Individuum im Krieg durchleben muss, desto größer müssen die psychischen Ressourcen sein, um diese Erlebnisse ohne Folgeschäden verarbeiten zu können.

Kinder sind aufgrund ihrer geringeren Belastungsfähigkeit besonders gefährdet, sowohl physisch als auch psychisch zu erkranken. Bei Kindersoldaten kommt hinzu, dass sie, anders als nicht kämpfende Kinder, in dreifacher Weise traumatisiert werden: Nicht nur als Opfer und Zeugen von Gewalt, sondern zudem als Täter.

Traumata, die durch Erlebnisse in bewaffneten Konflikten entstehen, klassifiziert die Forschung als »man-made-trauma«, als durch Menschen verursachte Traumata. Solche Traumata erschüttern das Realitätsprinzip der Betroffenen und ihr Vertrauen in die Verlässlichkeit der sozialen Welt.

Auch nach dem Ende ihres bewaffneten Einsatzes ist der Schrecken des Krieges für Kindersoldaten nicht vorbei. Viele der minderjährigen Kämpfer identifizieren sich stark mit dem bewaffneten Kampf – vor allem nach langjährigen Aufenthalten an der Front und in militärischen Einheiten. Bei ihrer Rückkehr in bekannte Strukturen erleben sie ein Gefühl der Entfremdung, das oft mit schweren Schuldgefühlen einhergeht. Die Reintegration in ein ziviles Leben, das von alten Strukturen und Institutionen geprägt ist, gelingt oft nicht – auch, weil die Rückkehrer nicht selten gesellschaftlich stigmatisiert und ausgegrenzt werden.

child soldier trauma
Quelle: Wikimedia Commons

Ebenso wie volljährige Soldaten können auch Kinder so genannte posttraumatische Belastungsstörungen entwickeln. Diese äußern sich beispielsweise in Alpträumen, Schlaflosigkeit, Gereiztheit, sozialem Rückzug, Misstrauen und Feindseligkeit gegenüber der Umwelt, einem Gefühl der Leere und Hilflosigkeit sowie in ständiger Nervosität, die sich bis zu anhaltenden Angstzuständen steigern kann. Im Zuge der Traumaverarbeitung kann es zu einschneidenden Persönlichkeitsveränderungen kommen. Selbst dann, wenn eine professionelle psychologische Betreuung der Kinder gewährleistet ist – oft ist dies nicht der Fall – sind manche Betroffene ihr ganzes Leben lang damit beschäftigt, die existenzbedrohenden Kriegserfahrungen in ihr Selbst- und Weltverständnis zu integrieren.